Grobkonzept zur Versorgung des Hessentags 2017 in Rüsselsheim

Ende letzten Jahres kamen wir bei einem Stammtisch auf die Idee, dass es doch echt cool wäre, wenn es auf dem Hessentag Freifunk geben würde. Aufgrund der Dimensionen ist es natürlich vollkommen aussichtlos, das rein als Community-Projekt zu stemmen, als haben wir Kontakt zur Stadt Rüsselsheim aufgenommen. Nachdem das Anfangs nicht so wirklich in die Gänge kommen wollte, hatten wir letzten Montag ein Gespräch mit der Stadt – und wurden dann auch gleich um ein Grobkonzept gebeten. Aus Gründen der Transparenz präsentieren wir es auch hier. Es ist, wie gesagt, ein erstes grobes Konzept.

Da uns aktuell keine detaillierten Pläne zur Verfügung stehen, gehen wir von dem folgenden zu versorgenden Bereich aus:

  1. 1700 m Mainufer Station bis Ende am Maindamm
  2. 1700 m Frankfurter-/Mainzer Str. ab Stresemannanlage bis Opel

Für eine durchgehende Versorgung mit WLAN wird, je nach Topologie, alle 100-300m ein Zugangspunkt (AP, AccessPoint) benötigt. Um die Benutzer weiterreichen zu können, müssen die Geräte sich gegenseitig optisch sehen. Da jeder AP auch nur eine gewisse Nutzeranzahl gleichzeitig bedienen kann, wurde ein engeres Netz mit reduzierter Leistung vorgesehen.

Das heißt, ca. alle 100m muss ein AP montiert werden. Diese müssen deutlich über den Köpfen der Besucher montiert werden. Da hier von Hindernissen in der Umgebung auszugehen ist, wird der Einsatz von Alu-Fahnen-Schiebemasten vorausgesetzt, die bis zu 6 Meter hoch nutzbar sind.

Dieses Konzept ermöglicht eine Nutzung durch ca. 10.000 gleichzeitige Nutzer. Da nicht von einer gleichzeitigen Nutzung durch alle Teilnehmer auszugehen ist, kann die Zahl der angemeldeten Nutzer deutlich höher liegen. Die Datenrate der einzelnen Nutzer hängt an verschiedenen Faktoren, wie Geschwindigkeit der Datenzuführung und gleichzeitige weitere Verbindungen über einen AP, und kann somit nicht gewährleistet werden. Eine permanente Verfügbarkeit kann ebenfalls nicht gewährleistet werden.

In den Parks muss man wegen der Bäume ggfs. zusätzliche Geräte einsetzen. Das kann aber erst mit einem Ausleuchtungstest, bzw. einer Begehung genau festlegt werden.

Die Anbringung und Absicherung der benötigten Fahnen-Masten obliegt dem Veranstalter, da sich diese je nach Standaufbau unterscheiden werden. Wir können hier nur beratend tätig werden.

An allen Standorten ist ein 230V Stromanschluss mit einer Leistung von ca. 10 Watt zur Verfügung zu stellen. An den Backbone Standorten benötigen wir einen verschlossenen Schrank, ein Fahrzeug, etc. und einen Stromanschluss mit bis zu 500 Watt Energie.

Damit dieses Konzept umgesetzt werden kann, werden zwei höhere Masten von 20-40m benötigt, über die eine Funkverbindung zu den einzelnen Zugangspunkten hergestellt wird. Diese Masten können z.B. durch die teilnehmenden Funkamateure, dem Kastastrophenschutz oder dem THW bereit gestellt werden.

Nach Rücksprache mit den Amateurfunkern, können wir transportable oder selbst fahrende Masten gegen Kostenerstattung (Benzin, Transport, etc.) bekommen.

Zuletzt benötigen wir noch eine oder mehrere Verbindungen zum Internet. Hier bieten sich mehrere Optionen an, die man durch Sponsoren abdecken könnte. Die Datenzuführung zum Gelände geschieht durch Funk. Die Gesamtbandbreite sollte mindestens 500 MBit/s betragen. Die Praxis aus Mörfelden-Walldorf zeigt, dass bei 500 gleichzeitgen Nutzern nur in Ausfällefällen mehr als 20 MBit/s übertragen werden. Die vorraussichtliche Nutzung wird sich hauptsächlich im Bereich der Nutzung von Instant-Messenger,Social-Media, Nutzung von Informationsangeboten über Apps sowie dem Versand von Fotos abspielen.

Mögliche Sponsoren:

  • Campus Hochschule, von Dach aus
  • OPEL
  • Rathaus
  • Bewohner der Frankfurter-/Mainzer Straße

Freifunk basiert auf genau diesem Konzept, bereits vorhandene Anschlüsse mit zu nutzen. Eine eigene Leitung muss es daher nicht geben, diese würde auch sehr teuer werden.

Wir gehen davon aus, das die bisher beschriebenen technischen Voraussetzungen kostenfrei oder durch Sponsoren zur Verfügung gestellt werden können. Wenn dies vorzeitig in die Planung aufgenommen wird, z.B. die Fahnenmasten und die Masten zur Verteilung, entstehen hier nur geringe Materialkosten.

Ebenso sollten diese Geräte vom Veranstalter in die Versicherung der Stände mit eingerechnet werden, damit es im Haftungsfall keine Überraschungen gibt.

Störerhaftung

Aufgrund der Architektur von Freifunk sind im Internet die lokal genutzten Internetzugänge nicht für im Rahmen der Störerhaftung aufkommden Anfragen zurückverfolgbar. Sichtbar sind nur die Freifunk-Backend-Server.

Unabhängig davon erfolgt die Bereitstellung des WLAN-Netzes durch die Sonnabend GmbH, die bei der Bundesnetzagentur als Telekommunikationsanbieter registriert ist und somit zusätzlich explizit von der Störerhaftung befreit ist. Die Sonnabend GmbH verfügt über mehrjährige Erfahrung als Telekommunikationsanbieter in Mörfelden-Walldorf und betreibt dort das kostenlos nutzbare offene WLAN-Netz MOEWA-NET.

Kostenbetrachtung

Die zu versorgenden Bereiche sind oben markiert. Unberücksichtigt bleiben die folgenden Bereiche: Landesausstellung/Festzelt bei Opel, Hessentagsarena, Hessentheater

Hardware
34 * Dualband Outdoor AP (Je nach Standort UniFi Mesh bzw. UniFi AP HD)3.500€
34 * Fahnenmast, Netzwerk Kabel, Befestigung1.400€
8 * Senderpaare zum Backbone1.600€
Kabel, Switche, Kleinmaterial500€
2 * Senderpaare zur Heranführung des Internets1.000€
Arbeitskosten
Programmierung aller Geräte / Netzplanung (12 Manntage)4.800€
Arbeitskosten
Kostenerstattung für bereitstellung der beiden zusätzlichen hohen Masten800€
1 * Server (Leihpreis) für Freifunk Verbindungen700€
SUMME (netto)14.300€

Programmierung und Netzplanung werden in Freifunk-Netzen normalerweise durch ehrenamtlich tätige vorgenommen. Dies kann aufgrund des engen Zeitrahmens bis zum Hessentag leider nicht garantiert werden, so dass mit bezahlten Kräften gearbeitet werden muss. Hierbei findet eine Unterstützung durch ehrenamtliche Helfer statt, so dass die tatsächlichen Kosten niedriger ausfallen können. Programmierung und Netzplanung erfolgen durch die Sonnabend GmbH.

Nicht berücksichtigt sind Kosten für die dauerhafte Überwachung während des Hessentages und die Montage der Geräte. Wir gehen davon aus, das wir hier genug Freiwillige Helfer aus dem Freifunk Umfeld finden werden.

Um die Geräte für andere Projekte wieder nutzen zu können, muss diese spezielle  Programmierung wieder rückgängig gemacht werden. Dabei ist mit Kosten von ca. der Hälfte des obigen Preises zu rechnen (2.400€).

Daher empfiehlt es sich, die Hardware nach dem Hessentag den Freifunk-Initiativen der Umgebung zu übereignen. Denkbar wäre auch, einen Teil der Geräte direkt für die dauerhafte Versorgung städtischer Einrichtungen mit Freifunk zu nutzen.

Wir hoffen, dass wir die Stadt mit diesem Grobkonzept überzeugen können – und dass wir danach als Community das Projekt gestemmt bekommen!

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