Geschafft! Kelsterbachs größte Flüchtlingsunterkunft angebunden!

Obwohl die Idee von Freifunk viel weiter geht, ist die Versorgung von Flüchtlingsunterkünften mit Internet für viele Freifunk-Communities derzeit die vorrangigste Herausforderung. Auch bei der Gründung von Freifunk Kelsterbach im September 2015 war bereits klar, dass eine unserer wichtigsten Aufgaben sein wird, die Bewohner von Kelsterbachs größter Flüchtlingsunterkunft in der Waldstraße mit freiem WLAN zu versorgen.

Bei einem solchen Projekt sind vor allem drei Hürden zu überwinden.

– Wer zahlt’s?
– Wer erlaubt’s?
– Wie machen wir’s?

Agneta Becker von Kleeblatt Kelsterbach e.V. war schon früh bei unserem ersten allgemeinen Infoabend mit von der Partie. Als wichtige treibende Kraft in der Kelsterbacher Flüchtlingshilfe war sie natürlich die perfekte Ansprechpartnerin für uns und so lag es nahe, den Verein für eine Unterstützung unseres Projektes gewinnen zu wollen. Wir schauten uns die Unterkunft an, überlegten, wie wir ein dreistöckiges ehemaliges Hotel mit WLAN versorgen können und was wir konkret dafür brauchen. Auch der passende Provider wollte ausgewählt werden, wobei die Kriterien „Geschwindigkeit“ und „Kündbarkeit“ zu den für uns ausschlaggebenden Kriterien wurden. Wir legten den fertigen Plan mit der Liste notwendiger Hardware und den Providerkosten dem Verein Kleeblatt vor und siehe da, er wurde so, wie er ist, genehmigt. Hurra!

Finanzierung und Technik waren damit geklärt, es blieb die Frage, wie der Betreiber der Unterkunft zu unserem Vorhaben steht. Mit einigen Gesprächen und zusätzlichen wohlwollenden Worten des Kelsterbacher Bürgermeisters Manfred Ockel war auch diese Hürde schließlich genommen. Es konnte bestellt werden!

In einer samstäglichen Aktion von 3 Stunden installierten wir am 9. Januar im Haus insgesamt 9 Router. Drei davon leisten sozusagen die Verbindungsarbeit der Stockwerke untereinander, zwei weitere pro Stockwerk sorgen für die flächige Versorgung der Flure und Zimmer. Dazu kommt im Keller der Router des Providers sowie einige weitere technische Geräte zur besseren Administration. Eine knappe Woche später war der Techniker da, der den Internetanschluss aktivierte und der Gesamtkontruktion Leben einhauchte. Die Tests konnten beginnen!

Die Geschwindigkeit des WLANs war für die über hundert Bewohnerinnen und Bewohner anfänglich noch nicht befriedigend, hier bestand auf jeden Fall noch Optimierungsbedarf! Mit besser verteilten WLAN-Kanälen und einem sogenannten „Offloader“, der im Keller die Verschlüsselung der Daten übernimmt, konnte die Performance schließlich deutlich gesteigert werden.

Eine besondere Herausforderung war für uns die Versorgung eines dreistöckigen Hotels mit WLAN, ohne Kabel zu verlegen. Die einzigen Kabel, die wir in einem vorhandenen Kanal verlegen konnten, führen vom Keller ins Erdgeschoss, alles darüber hinaus (incl. 1. und 2. Stock) geht über WLAN, die Freifunker sprechen hier vom sogenannten WLAN-Meshing, was von Haus aus alle Router mit Freifunk-Software beherrschen.

Durch diese Gegebenheiten, die langen Flure und die Bausubstanz ist die Qualität des WLANs nicht in allen Teilen des Hotels optimal, daher konzentrieren wir uns zusätzlich auf die Versorgung zentraler Treffpunkte wie Küchen und Aufenthaltsräume. Im Erdgeschoss bauen wir deshalb zusätzlich ein Internet-Café auf, welches vor allem aus ausgemusterter Hardware besteht, die für unsere Zwecke aber noch vollkommen ausreicht. Dadurch wird auch jenen Bewohnerinnen und Bewohnern Internutzung ermöglicht, die selber kein Smartphone, Tablet oder Computer mitbringen.

Vier Monate voller Planung, Überzeugung, Beschaffung, Installation und Optimierung liegen hinter uns und auch, wenn es hier und da immer wieder etwas zu basteln und verbessern gibt, geht das Projekt langsam in den täglichen Betrieb über. Zeit für die offizielle Einweihung, die am Samstag, den 30. Januar 2016 um 15 Uhr mit Presse, Offiziellen und Öffentlichkeit stattfinden wird. Dann werden wir uns für einen Moment gemütlich mit Kuchen und Tee zurücklehnen, mit den Bewohnerinnen und Bewohnern gemeinsam feiern und das WLAN WLAN sein lassen. 🙂

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